seattle - eine liebe zur musik.

Special: My Awesome Mixtape

Freund Angelo aus Italien hat uns gebeten, die kommende Deutschland-Tour von My Awesome Mixtape aus Bologna ein bisschen zu unterstützen. Und da ich mittlerweile ein wenig Fan dieser verrückten Italiener bin, machen wir das natürlich sehr gerne. Erst recht, wenn es sich um eine solch tolle Band handelt. Wir lassen uns natürlich nicht von der PR-Maschinerie vereinnahmen, sondern unterstützen einfach nur eine kleine, aber feine Band, die es verdient hat (den Promo-Krams nehmen wir trotzdem mit Kusshand).

My Awesome Mixtape - Other Houses EP

Vor einiger Zeit veröffentlichen My Awesome Mixtape ihre EP “Other Houses” stilecht als Kassette bei BigCartel - und als Download. Also: herunterladen und anhören. Allein wegen des kleinen Superhits “Me And The Washing Machine”. My Awesome Mixtape liefern hier eine Dancefloor-Hymne ab, die sich - dem Titel entsprechend - gewaschen hat. Die Band komibiniert geschickt Indiepop mit flächigen Synthies und strickt daraus einen Song, zu dem man nur die Arme hochreißen und die Hände zu Fäusten ballen kann. Klingt vielleicht am ehesten ein bisschen wie die späten Mercury Rev.

Neben zwei Remixes zu besagtem Hit gibt es noch die beiden Non-Album-Tracks “Brotherhood” und “Everwood”. Beide sind eher Hiphop-lastig. “Brotherhood” kann durch den Refrain auf Dauer etwas nervig werden. “Everwood” ist dafür umso besser und erinnert ganz entfernt an The Streets - logischerweise mit organischerem Bandsound. Keiner der anderen Tracks erreicht die Qualität von “Me And The Washing Machine” - für lau ist diese EP aber durchaus eine runde Angelegenheit.

My Awesome Mixtape - How Could A Village Turn Into A Town (VÖ: 11.09.2009, Rewika/Alive)

Am 11.09. erscheint nun endlich das zweite Album von My Awesome Mixtape, nachdem die “Other Houses”-EP ja schon einen guten Vorgeschmack lieferte. Und My Awesome Mixtape halten ihre Versprechen. Auch hier gibt es wieder eine gesunde Mischung aus knalligen Popsongs (“Hearts To Land”, “How The Feet Touch The Ground”), Hiphop-Beats (“Mia Farrow”, “Inhabitants”), Folk-Elementen und jeder Menge Synthie-Sounds. Auf dem Album geben sich My Awesome Mixtape aber noch mal eine ganze Spur zackiger und vor allem funkiger.  Insbesondere der Song “Fire And Fireflies”, der neben dem bekannten “Me And The Washing Machine” ein weiteres Highlight  ist, hat einen derart treibenen Bass, dass ich schon beim Schreiben kaum die Füße still halten kann. Hinzu kommen Streicher, echte Bläser, Shout-Chöre - geil.

Den Ideenreichtum und Mut der Band, verschiedenste Stile und Sounds zu kombinieren, findet man nicht alle Tage. Vergleichbares findet man vielleicht noch im Anticon-Umfeld: Bands wie Why? mit ihrem geekigen Pop-Entwurf kommen evtl. in Sinn. “Inner City” z.B. könnte auch aus der Feder von Beck stammen. Gleich danach liefern die Italiener mit “My Moon” einen Rocksong ab, dessen Riffs man ihnen zu Beginn des Albums gar nicht zugetraut hätte. Und immer wieder dieser durchgeknallte Typ, der aussieht wie Cedric Bixler-Zavala mit Brille, fast schon wie Eminem rappt und dabei aus Bologna kommt! Irre. “A Train Melancholy Song” am Schluss des Albums heißt und beginnt wie eine Ballade (mit geil mexikanischen Bläsern), bricht dann aber plötzlich in einen flirrenden Dancebeat aus. Mittlerweile hätte man damit eigentlich fast rechnen müssen.

Fazit: tolles Album, das vor allem durch seine Vielfalt überzeugt und nicht so langweilt, wie vieles, was derzeit aus den klassischen Rock-/Pop-Ländern wie zum Beispiel dem UK kommt. Berichten zufolge soll auch die Liveshow der fünf Jungs aus Bologna grandios sein - bei all den flippigen Songs und Dancefloor-Krachern mit Xylophonen, Handclaps, Shout-Chören usw. ist das im Grunde auch gar kein Wunder. Also: Hingehen. Tanzen. Album kaufen.

Wir präsentieren: My Awesome Mixtape auf Deutschlandtour

17.09.09 Wetzlar, Kulturzentrum Franzis
18.09.09 Leipzig, Ilses Erika
19.09.09 CH-Aarau, Kiff
23.09.09 Darmstadt, Oetinger Villa
24.09.09 Berlin, Schokoladen
25.09.09 Hamburg, Reeperbahnfestival
26.09.09 Schwalmstadt/Treysa, Bunker

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Noel Gallagher steigt bei Oasis aus

Wir sind ja hier normalerweise nicht so für News-Artikel, weil wir es eh nie gebacken kriegen, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Aber das hier verdient schon unsere Aufmerksamkeit und muss eine Erwähnung wert sein:

Noel Gallagher, seit jeher Songwriter und kreativer Kopf hinter Oasis, der wahrscheinlich größten Spalter-Band auf diesem Planeten, ist aus eben jener ausgestiegen. Wir sind ja große Freunde von Oasis und können jetzt nur noch Glück sagen, dass wir sie Anfang des Jahres noch einmal in Berlin erleben durften. Es gibt ja viele Bands, die sich noch einmal fangen, wenn wichtige Mitglieder aussteigen. Bei Oasis ist das allerdings kaum vorstellbar, somit kommt Noels Ausstieg einer Auflösung gleich, deren offizielle Bekanntgabe im Prinzip nur noch eine Frage der Zeit ist. Und das macht uns traurig.

Und jetzt Pathos: Danke Noel, für all die genialen Songs (auch wenn die letzten Alben natürlich nicht mehr ganz so genial waren). Für die herrlich amüsanten Pöbeleien gegen die halbe Musikwelt. Für die schönen Momente, die uns mit deiner Band beschert hast. Danke.

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Die Qual der Wahl (II)

Rund 62 Millionen Deutsche können am 27. September ihre Volksvertreter wählen. Der Countdown läuft weiter - noch 29 Tage. Zuvor warten wir gespannt auf die  morgigen Wahlergebnisse, da die Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und dem Saarland stattfinden werden.

Bisher hatte ich in der Serie “Die Qual der Wahl” auf die interessante Videoreihe “Parteien zur Bundestagswahl 2009″ auf SemperVideo.de hingewiesen und die Vermutung bzw. Hoffnung geäußert, dass neben den etablierten Parteien auch die Piratenpartei hinsichtlich ihres Wahlprogramms und den darin enthaltenden Standpunkten zu den Neuen Medien analysiert werden könnte.

Dies ist geschehen und weil die Piraten sehr weitreichende Veränderungen fordern, und das Programm diesbezüglich sehr detailliert ist, werden die Videos hier direkt eingebunden - viel Spass.

Parteien zur Bundestagswahl 2009 – Piratenpartei via  SemperVideo.de

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Dockville Festival 2009

Der Rethespeicher am Dockville-Gelände. Photo by Calvin Shmelvin @ Flickr, CC

Wilhelmsburg also. Für die nicht wissen wie: Wilhelmburg ist die größte Flussinsel Europas und gleichzeitig ein Stadtteil Hamburgs. Und eben dort fand am Wochenende vom 14. bis zum 16. August zum dritten Mal das Dockville Festival statt.

Wilhelmsburg liegt von meiner Wohnung aus gesehen jenseits der Elbe, wo man erst mal hinkommen musste. Sportlich und umweltbewusst wie wir sind, fuhren wir natürlich mit dem Fahrrad. Bei drei Festivaltagen hieß das täglich einmal Williamsburg und zurück. Meine Erkenntnis: Ich brauche einen neuen Fahrradsattel, bevor ich mich jemals wieder auf dieses Rad traue.

Aber jetzt mal zum Festival: Das Dockville ist als ein Aufeinandertreffen von Musik und Kunst konzipiert. Es gab also nicht nur das übliche Einerlei aus Bühnen, Bierständen, Fressbuden und Promotion-Scheiße diverser Tabak-, Getränke- und Mobilfunkkonzerne zu sehen, sonden eben auch… nun ja: Kunst. Etwa 30 Künstler hatten ca. 20 teils angeblich ziemlich große Installationen vorbereitet, die auf dem Festival zu bestaunen sein sollten.

Ehrlich gesagt habe ich davon jedoch nicht viel mitbekommen. Klar, der Musikspielplatz mit Schaukeln und Wippen, die Geräusche erzeugen, war witzig und gut besucht, ansonsten musste man Kunst aber mit der Lupe suchen. Die großformatigen Projektionen auf umliegende Gebäude waren natürlich kaum zu übersehen und echt schick. Alles andere ging jedoch im Gewühle der vielen Menschen, aber auch der etwas unglücklichen Strukturierung des Geländes unter. Außer der großen Fläche vor der Hauptbühne waren die übrigen Areale viel zu eng und verbaut, als dass man sich in Ruhe etwas hätte ansehen können.

Womit wir beim nächsten Kritikpunkt wären: Für ein Festival, dass jetzt drei Jahre existiert, ging hier einfach zu viel schief. Als ich am Freitag erst spät ankam, brauchte ich gute zehn Minuten, um überhaupt mal auf das Gelände zu gelangen. Und alles nur, weil die Damen und Herren am Einlass es nicht schafften, ca. fünf ankommende Besucher mit Tickets, Armbänden usw. zu versorgen. Wie soll das nur zur Hauptandrangszeit funktioniert haben? Ohnehin muss im nächsten Jahr das Kontingent der Tageskarten drastisch reduziert werden - Samstag war es viel zu voll.

Größtes Problem war jedoch die Getränkeversorgung. Die Bierbuden waren so wenige, dass sie zu jeder Zeit von etwa sieben Menschenreihen umringt waren, wie die weiße Stadt Minas Tirith von Mauern. Wenn dann noch inkompetentes Personal am Zapfhahn hinzukommt, kann ein Bier eine halbe Stunde und aufwärts kosten.

Doch genug gemeckert. Zwischenzeitlich gab es schöne Momente, die nicht zuletzt der netten Atmosphäre geschuldet waren, die aus dem Umstand resultiert, sich (fast) mitten in Hamburg zu befinden und trotzdem auf einem Festival im Grünen zu sein. Auch das Holzdorf mit seinen Westernfassaden in der Nähe der zweiten Bühne hebt das Dockville angenehm von anderen Festivals ab. Dieses barg außerdem die beste “Kunstinstallation” des Festivals: eine Theke, die Korn für 1 € und Schmalzbrote darreichte, während hinreißende Videos von abgewrackten Dorfschützenfesten gezeigt wurden. Da fühlte man sich gleich zu Hause.

Photo by onesevenone @ Flickr, CC

Und natürlich gab es auch Musik. Wegen meines Chefs verpasste ich am Freitag leider Herrenmagazin, Health, Turbostaat und Blumentopf. Danach gab es dann ein erstes Highlight in Form der höchst sympathischen Miss Li (inklusive zweifachem Stromausfall). Bis auf einen mäßig unterhaltsamen Auftritt der Mediengruppe Telekommander war es das für den ersten Abend - da hat sich die Strampelei richtig gelohnt.

Aufgrund der Annehmlichkeiten auf Tills Riesenbalkon - Bier, Grill, Sonne - schafften wir es am Samstag erst spät nachmittags auf das Festival. Daraus resultierend verpasste Bands: Crystal Antlers, BeatBeatBeat! und Wintersleep. Dafür gab es noch ein bisschen Good Shoes, Element Of Crime und Dancing Pigeons zu sehen, was alles ziemlich nett war. Besonders Element Of Crime passten hervorragend zu unserer leicht angeheiterten, aber erschöpften Stimmung in praller Sonne auf der Wiese vor der Hauptbühne.

Am Abend überzeugten Bonaparte mit einer routiniert chaotischen Show, wenngleich es musikalisch sicherlich revolutionärere Bands gibt. Danach durften wir eine erschreckend langweilige Show von MGMT miterleben, aber das hatten wir uns schon vorher ausgerechnet. Die Hallenbühne inklusive Vorplatz und Eingang war leider dermaßen überfüllt, dass man zu Frittenbude und Metronomy nicht mehr durchdringen konnte.

Musikalische Höhepunkte gab es dann gottseidank nochmal am Sonntag. Black Lips mit ihrem rumpeligen Rockabilly-Punk machten durchaus Spaß. Schon vorher gab es aber das Überraschungs-Highlight: Dans le Sac vs. Scroobius Pip, die niemand so richtig auf dem Schirm hatte. Mit deutlichen Parallelen zu The Streets, aber stets eine Spur clubbiger und aggressiver boten die zwei Briten eine tolle Show mit viel Energie und Selbstironie. Tipp!

Absolutes Glanzlicht waren aber Kettcar. Die Hamburger waren mit einem Streicherquartett von der Neuen Philharmonie Frankfurt “angereist”, was ein Großteil des Publikums scheinbar gar nicht wusste. Die Streicher wussten Songs wie “Money Left To Burn” einen ganz neuen Anstrich zu geben und die ohnehin immer großartige Performance der Band wurde durch dieses “Gimmick” noch einmal deutlich aufgewertet. Spätestens als bei der Zugabe “Ausgetrunken” wie schon beim Immergut-Festival “The Sound Of Settling” und “Close To Me” von Death Cab for Cutie und The Cure angestimmt wurden, war das Wochenende engültig gerettet. Irgendwie habe ich bei Kettcar immer das Gefühl, alte Freunde wiederzusehen. Schön.

Fazit: Wenn sich nächstes Jahr nicht einiges tut, muss ich mir gut überlegen, noch einmal hzum Dockville zu  strampeln. Sicherlich ist es nett, ein Festival direkt vor der Haustür zu haben, aber das muss sich auch lohnen. Vergleicht man die Preise von Dockville und z.B. dem Reeperbahn Festival, so hat letzteres doch einige Hochkaräter mehr zu bieten. Nachbessern in vielerlei Hinsicht ist angesagt.

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